Terra Preta do Indio


Terra Preta ist portugiesisch für „schwarze Erde“ beziehungsweise wird so ein im Amazonasbecken anzutreffender, anthropogener Boden, genauer ein Hortic Anthrosol genannt. Dieses Bodensystem ist nicht nur mit Kohlenstoff in Form von Holzkohle, sondern auch mit einer Vielzahl an Nährstoffen angereichert. Die Ureinwohner des Amazonasgebietes erreichten dieses indem Sie eine nahezu perfekte und verlustfreie Recyclingwirtschaft betrieben. Alle Abfälle, die in den Siedlungen anfielen - angefangen von den eigenen Fäkalien bis hin zu den Speiseresten, den Gartenabfällen, den Fischgräten, Knochenresten und anderen tierischen Abfällen - wurden in Verbindung mit den Resten aus der Holzkohleherstellung auf den Gartenbeeten regelmäßig aufgebracht. Zusätzlich wurde auch regelmäßig Schlamm aus dem Amazonas eingesetzt. Die Holzkohle fungierte dabei wie ein Schwamm, der die Nährstoffe in dem extrem durchlässigen Boden festhielt. Mit dem Amazonasschlamm wurden immer wieder frische Mineralstoffe und Spurenelemente nachgeliefert, die Fisch- und Tierabfälle lieferten vor allem Kalzium und Phosphor.


Links: Oxisol (stark verwitterter tropischer Boden, typisch für das Amazonasbecken) Rechts: Hortic Anthrosol des Amazonas (Terra preta, „schwarze Erde“)
Links: Oxisol (stark verwitterter tropischer Boden, typisch für das Amazonasbecken) Rechts: Hortic Anthrosol des Amazonas (Terra preta, „schwarze Erde“)

All diese Abfälle wurden entweder direkt auf den Boden aufgebracht oder auf Haufen zwischengelagert und somit vor der Aufbringung einem gewissen Verrottungs- bzw. Kompostierungsprozess unterworfen. Vor allem aufgrund der beigefügten Reste aus der Holzkohleherstellung gab es nahezu keine Nährstoffverluste und somit wurde das Bodensystem im Laufe der Jahrhunderte immer mehr mit Nährstoffen angereichert. Eine spezielle Art der Gartenkultur unterstützte diesen Prozess noch, so wurden immer Obstbäume gepflanzt, darunter Fruchtsträucher, darunter Feldfrüchte wie Mais, Bohnen und Kürbis als Permakultur. Durch diesen Etagenaufbau und der gleichzeitig herrschenden Wurzelvielfalt waren die Flächen extrem produktiv, der Boden war immer bedeckt und die starken Niederschläge konnten die Nährstoffe nicht auswaschen. Diese Bodensysteme wurden daher trotz ihrer hohen Produktivität von Jahr zu Jahr fruchtbarer!


Ein ganz wichtiger Teil in jedem Bodensystem sind die vielen Bodentiere wie die Regenwürmer. Mit ihren senkrechten Kanälen sorgen sie nicht nur für die Stabilität des Bodens, sondern auch dafür, dass das Wasser gut und rasch in den Boden eindringen kann. In einem belebten Boden gibt es ein unüberschaubares Geflecht an Pilzfäden, die den Boden ebenfalls stabilisieren und für die Nährstoffbereitstellung an die Pflanzenwurzeln von großer Bedeutung sind. In jeder Bodenschicht herrscht eine andere - speziell an die vorhandenen Lebensbedingungen angepasste - Mikrobiologie. An der Oberfläche liegende Abfälle schützen den Boden und dienen für ein Heer von Bodenorganismen als Nahrungsquelle.


Beispiel für eine moderne Form des Permakulturgartens in Zentralamerika
Beispiel für eine moderne Form des Permakulturgartens in Zentralamerika

Wen tiefergehende Infos zum Thema Terra Preta interessieren, dem können wir die Veröffentlichungen von Dr. Bruno Glaser von der Universität Halle empfehlen. Er ist der führende Terra Preta Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum und arbeitet seit 4 Jahren intensiv mit unserem Produzenten der Firma Sonnenerde zusammen.